Katholische Pfarrgemeinde Sankt Franziskus Neuendettelsau

gemeinsam glauben und leben - gemeinsam beten und arbeiten

Der aktuelle Pfarrgemeinderat von St. Franziskus

 

  • Barbara Steuer
    Barbara Steuer
  • Domkapitular Wolfgang Hörl
    Domkapitular Wolfgang Hörl
  • Irene Conraths
    Irene Conraths
  • Justin Bui
    Justin Bui
  • Klemens Hoppe
    Klemens Hoppe
  • Lukas Bald
    Lukas Bald
  • Manuela Arlt
    Manuela Arlt
  • Maria Wagenknecht
    Maria Wagenknecht
  • Marina Mißbüchler
    Marina Mißbüchler
  • Michael Schmid
    Michael Schmid
  • Peter Bald
    Peter Bald
  • Reinhard Happel
    Reinhard Happel
  • Rita Beil
    Rita Beil
  • Torsten Schmotz
    Torsten Schmotz
  • Johanna Jäger
    Johanna Jäger

Pfarrgemeinderatsklausur am 13. und 14. April 2018 im Diözesantagungshaus Vierzehnheiligen

Es ist zwischenzeitlich im Pfarrgemeinderat zu einer schönen Tradition geworden, sich jedes Jahr zwei Tage Zeit zu nehmen, um gemeinsam und "weg vom Schuss" einen Blick auf unsere Pfarrei zu werfen. 

So starteten wir am Freitagnachmittag mit Fahrgemeinschaften Richtung Diözesanbildungshaus Vierzehnheiligen.  


Hauptthema der beiden Tage war natürlich unsere Kirchenrenovierung und das weitere Vorgehen nach Feststehen des Siegermodells.  In verschiedenen Gruppen wurden aber auch Themen wie der Pastorale Raum oder die Zukunft unserer Pfarrei besprochen und diskutiert. 

Traditionell beendeten wir die zweitägige Klausur mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Hauskapelle, bzw. in diesem Jahr erstmals mit einem gemeinsamen Abendessen unterhalb des Staffelberges, bevor wir - gestärkt und motiviert - wieder die Heimreise antraten.

Für das Jahr 2019 sind bereits Zimmer im Kloster Neresheim gebucht.

 

Gemeinsam Kirche sein
Pfarrgemeinderatsklausur am 11. Und 12. März in der Abtei Maria Frieden


Am 11. und 12. März 2016 fand sich der Pfarrgemeinderat Sankt Franziskus in der Benediktinerinnenabtei Maria Frieden in Kirchschletten zusammen, um gemeinsam die Inhalte des Dokumentes 100 “Gemeinsam Kirche sein” der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zu erarbeiten und zu besprechen. Das Dokument wurde im August 2015 von der DBK eröffnet und ist ein Meilenstein im Verständnis von Kirche heute und morgen. Für unsere Gemeinde hat es insofern große Bedeutung, weil auch unsere Seelsorgeeinheit sich im Umbruch befindet, und wir uns in unserer Arbeit in den Pfarrgemeinderäten unserer Seelsorgeeinheit sukzessive auf das Miteinander in der Zukunft ausrichten wollen und auch müssen. Unseren Gemeindemitgliedern legen wir die Lektüre dieses Dokuments 100 ans Herz, weil wir hier nicht den vollen Inhalt wiedergeben können. Gleichwohl möchten wir einen Einblick gewähren und insbesondere auf die Passagen eingehen, die auf unserer Klausurtagung besondere Beachtung gefunden haben.

 

 

Das Dokument ist im Geiste der Konzilstexte des Zweiten Vatikanums geschrieben und möchte die Gläubigen begleiten auf dem Weg von der Volkskirche mit Priesterzentrierung zu einer Kirche des Volkes Gottes mit der Berufung eines jeden zur Heiligkeit. Beschrieben wird hier nicht eine neue Kirchenordnung, sondern ein Prozess, in welchem jeder ins Kirchesein einbezogen wird. Immer wieder wird im Dokument von einem Mentalitätswandel und Perspektivwechsel gesprochen. Diese werden nicht durch das Umlegen eines Hebels erzeugt, sondern benötigen Zeit, Fingerspitzengefühl und Kommunikation von allen Beteiligten. „Leitend ist vielmehr die theologische Perspektive, dass Jesus Christus Mensch geworden ist, um allen Menschen das Heil und die Erlösung Gottes anzubieten. In der Kirche als Sakrament, d. h. als Zeichen und Werkzeug für die Gemeinschaft mit Gott und der Menschen untereinander, setzt sich diese Sendung Jesu Christi fort. Wir können und dürfen es uns also gar nicht mehr erlauben, dieses Kirchesein an einige wenige zu delegieren oder es auf bestimmte Aufgaben und Ämter in den Pfarreien zu beschränken. „Gemeinsam Kirche sein“ lädt zu einer dynamischen Sicht der Taufe und des Christseins ein und wirbt für eine „Kirche im Werden“.“

 

Das Dokument darf aber nicht als aus der Not von Priestermangel und Kirchenaustritten erstelltes Schriftstück missverstanden werden, sondern es ist mehr die Rückbesinnung auf die Ursprünge der Kirche und die Ausrichtung der Gemeinschaft im Glauben auf Jesus Christus. Im Dokument selbst und auch in der Klausurtagung wurden daher auch Bibelstellen als Quellen der Arbeit zu Grunde gelegt. Eine wesentliche Bibelstelle war der 1. Brief an die Korinther, 1 – 12. Das ist der Brief über den einen Geist und die vielen Gaben. Jeder Mensch hat Gnadengaben, sogenannte Charismen von Gott geschenkt bekommen. Durch die Taufe ist jeder Mensch zur Heiligkeit berufen. Die Taufe schafft eine fundamentale Gemeinschaft und Gemeinsamkeit aller Getauften in ihrer Ebenbürtigkeit zu Gott und in ihrer Teilhabe am Aufbau der Kirche. Und als der Heilige Gottes (Joh 6,69) ist Jesus Christus das Maß allen menschlichen Strebens nach Heiligkeit. Im Glauben an Jesus Christus und in Ausrichtung unseres Handelns auf Jesus Christus leben wir ein Leben in Heiligkeit. 

Aber dies tun wir keineswegs für uns allein. Wir leben mit Menschen zusammen und unser Handeln hat Auswirkungen auf andere Menschen. Christliche Spiritualität ist demnach keine individualistisch verstandene Selbsterfahrung, sondern ein zutiefst communiales und soziales Geschehen. Heiligkeit leben wir in Beziehungen. Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt (Röm 13,8). Hier schließt sich der Kreis vom Ich zum Wir. Es gibt so viele Berufungen und Wege zur Heiligkeit wie es Menschen gibt. Heiligkeit ist kein Status sondern ein Lebensprogramm, mit dem man nie fertig ist.

Jeder hat Charismen, die er in die Gemeinschaft einbringen kann, wenn er das möchte. Diese Gnadengaben sind bereits von Gott angelegt und in einem Menschen verwurzelt, aber erst durch den Heiligen Geist werden die Gnadengaben geweckt und vom Menschen durch Ausbildung und Lernen weiterentwickelt. Die Berufung, diese Charismen in die Gemeinschaft einzubringen, muss jede Frau und jeder Man selbst spüren und so ist jedes Engagement auch freiwillig. Wir als Gemeinde sind so eine Gemeinschaft, in welcher Charismen für die Gemeinschaft von den Gemeindemitgliedern eingebracht werden. Unsere Seelsorgeeinheit Heilsbronn ist eine Gemeinschaft von verschiedenen Gemeinden, oder wenn man will von verschiedenen Gemeinschaften. Weitergedacht ist die ganze Kirche eine Gemeinschaft von Gemeinschaften, eine Kirche des Volkes Gottes.

Liest man den ersten Korintherbrief weiter, so schließt sich im Abschnitt 12 – 30 das schöne Bild des Leibes mit vielen Gliedern an. Das einzelne Glied hat eine Funktion im Leib, alleine ist das Glied nicht überlebensfähig, im Leib hat es seinen festen Platz und wird Teil einer Vollkommenheit. Erst in der Ausrichtung auf Jesus Christus wird auch die Kirche zu einem Ganzen. Erst in der Feier der Eucharistie, in der Versammlung aller Christen um den Altar wird die Gemeinschaft vollkommen. So kommt auch im Dokument 100 der sonntäglichen Eucharistiefeier eine besondere Bedeutung zu: „Nie kann die Kirche auf die Feier der Eucharistie verzichten. Die Eucharistie ist der höchste und wichtigste Vollzug, in den alle anderen Ausdrucksgestalten kirchlichen Lebens zum Lob Gottes eingebracht werden können und sollen. Am Sonntag ist die Eucharistie durch nichts zu ersetzen. Und doch gibt es in unserem Land immer häufiger Diasporasituationen, in denen es den Gläubigen kaum mehr möglich ist, an der sonntäglichen Eucharistie teilzunehmen. Dann ist es gut, dass die Gläubigen auch dort zum Gebet zusammenkommen, wo ansonsten gar kein Gottesdienst mehr gefeiert würde.“

 

Für viele Menschen ist es eine Tradition, dass sie sonntags „in die Kirche“ gehen. Eine Vielzahl von uns ist damit groß geworden und Veränderung, auch wenn sie durch äußere Zwänge herbeigeführt wurde, ist nicht selten mit Schmerzen verbunden. Wenn kein Pfarrer mehr in Neuendettelsau wäre, dann würde ich wohl nach Ansbach oder Nürnberg fahren. Aber was machen die Menschen, die nicht mobil sind? Das, was im vorherigen Abschnitt als Diasporasituation bezeichnet wird, ist für unsere Diözese zum Glück noch ein entfernter Zustand, aber es ist ein Gedanke, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir in die Zukunft blicken. Wir sind im Pfarrgemeinderat gefordert, Strukturen zu ersinnen, die allen Gemeindemitgliedern eine regelmäßige Eucharistiefeier und einen regelmäßigen Gottesdienst ermöglichen. Ein Gottesdienst ist immer möglich, eine Eucharistiefeier möglicherweise nicht. Damit müssen wir uns gegebenenfalls langfristig auseinandersetzen.

Viele rufen nach dem Pfarrer oder Priester, aber wenn kein geweihter Priester in der Nähe ist, wird der Ruf ungehört verschallen. Explizit weist das Dokument 100 darauf hin, dass „die Kirche primär nicht eine institutionell fassbare Kirche der Priester und Hauptberuflichen, die dann die Getauften für weitere Aufgaben heranziehen“, ist. Die Kirche „ist in Christus das Sakrament, das sein Leben und seine Hingabe gegenwärtig macht. An diesem sakramentalen Kirchesein nimmt jeder Gläubige durch die Taufe teil. Gottes Geist erfüllt den ganzen Leib der Kirche und bewegt die Getauften zur Hingabe und zum Dienst aneinander und an der Welt. Diese Hingabe und Sendung des gesamten Volkes Gottes, die Christus in seiner Hingabe vergegenwärtigt, ist gemeint, wenn vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften die Rede ist.“

 

Ein Priester ist genauso heilig wie jeder andere Getaufte auch. Das Dokument 100 bringt dem Leser nahe, dass ein geistlicher Würdenträger keinesfalls eine höheren Grad der Heiligkeit erlangt habe als ein anderer Getaufter. Vor Gott sind wir alle gleich und gleich heilig. Unsere Charismen und unsere Berufung mögen uns in die Position versetzen, Führungsaufgaben als Laie oder Hauptamtlicher zu übernehmen, aber mit dieser Position haben wir zwar Verantwortung, dürfen die Stellung aber nicht als Machtposition missbrauchen oder uns gar über andere erheben.

Dennoch ist der Dienst des Priesters unverzichtbar für das Leben in der Kirche. „Der Dienst des Priesters ist (…) Dienst an der Einheit des Gottesvolkes: Er trägt verantwortlich Sorge dafür, dass der Maßstab des Evangeliums und der Glaube der Kirche – gegebenenfalls auch korrigierend – eingebracht und gewahrt werden. Im geweihten Priester und in seinem amtlich-sakramentalen Handeln wird deutlich, dass Gott treu ist, dass Christus selbst in der Kirche zugegen ist: real, konkret, personal und unverfälscht. Weil es aber einen Unterschied zwischen Amt und Person gibt, wird ebenfalls deutlich, dass der einzelne Priester nur dann glaubwürdig ist, wenn er selbst auch existenziell in und aus der Gegenwart Christi lebt. (…) Das heißt (…), dass es selbstverständliche Aufgabe des geweihten Amtsträgers ist, allen Gläubigen zu helfen, selbst in eine innere und persönliche Gemeinschaft mit Jesus zu finden. (…) Der Priester hat also die vornehme Aufgabe, das Priestertum aller Gläubigen immer mehr zur Entfaltung zu bringen.“

 

Das Verhältnis „Priestertum des Einzelnen“ und „Priestertum als Dienst“ ist aber nicht so zu verstehen, dass Christen hier im Wettbewerb zueinanderstehen. „Das Amt liegt nicht auf der Ebene gesteigerten Christseins, sondern ist ganz anders begründet. Es „vollzieht“ nämlich „in der Person Christi“, also in seinem Namen und in seiner Vollmacht, z. B. die Eucharistiefeier und die anderen dem Priester vorbehaltenen Handlungen. Die dem Priester mit der Weihe verliehene geistliche Vollmacht ist somit eine Vollmacht zum Dienst an den Gläubigen. Die Priester üben diesen Dienst durch die Verkündigung, den Gottesdienst und die pastorale Leitung aus. Damit dienen sie der Einheit aller Glieder des Leibes Christi untereinander und mit Jesus Christus.“

Für uns in Sankt Franziskus haben die Ausführungen im Dokument 100 durchaus auch Auswirkungen. In der Diskussion ist uns im Pfarrgemeinderat klargeworden, dass wir durch unsere Arbeit im Pfarrgemeinderat Veränderung gestalten und nicht abwarten wollen, dass man uns Strukturen „aufzwingt“. Die Mitarbeit in unserer Gemeinde hat bereits viele Gesichter und wir wünschen allen Mitgliedern unserer Gemeinschaft, dass sie sich berufen fühlen, an dieser Gestaltung mitzuwirken. Als Gläubige sind wir Teil der Gesellschaft und tragen damit jeden Tag unseren Glauben und die frohe Botschaft in die Gesellschaft hinein. Jeder kann sich jeden Tag entscheiden, einen noch aktiveren Beitrag in der Gemeinschaft beizutragen und im Alltag zu ihrem oder seinem Christsein zu stehen.

 

Wie das Dokument 100 schreibt, sehen wir im Pfarrgemeinderat auch, dass dieser langsame Prozess der Neuorientierung in der Kirche viele Menschen braucht, die mitarbeiten. Wir sehen die Notwendigkeit, dass es in diesem Miteinander Führung braucht. Menschen in Leitungspositionen müssen Vorbilder sein und – wie im Dokument 100 gefordert – sollen Leitungsdienste in der Kirche von Frauen und Männern gleichermaßen übernommen werden. Entscheidungen müssen nicht nur von Einzelnen getroffen werden, sondern sollten das Ergebnis einer gemeinsamen Entscheidungsfindung in Gremien oder Gesprächskreisen von Hauptamtlichen und von Laien sein. Das sind „Gruppen, in Diözesan- oder Pfarreiräten, in bundesweit agierenden Verbänden und in kirchlichen Bewegungen, in Ordensgemeinschaften oder in Einrichtungen der Caritas. Auch prophetische Aufbrüche, gute Ideen und Initiativen bringen die Kirche weiter. Ohne ein derartiges, oft ehrenamtliches Engagement für die vielfältigen Assoziationsformen und Zusammenschlüsse von Gläubigen könnte die Kirche ihre Sendung nicht erfüllen, das Evangelium in der modernen, pluralistischen und ausdifferenzierten Gesellschaft in Wort und Tat zu verkünden. Darin wird deutlich, dass alle Getauften berufen sind, das Leben und die Sendung der Kirche verantwortlich mitzugestalten.“

Dieser Artikel schließt mit einer abschließenden Willenserklärung der Deutschen Bischofskonferenz, die jeder Einzelnen und jedem Einzelnen in unserer Gemeinde Sankt Franziskus ein Impuls sein kann, sich in unsere Arbeit im Pfarrgemeinderat einzubringen. 

 

„Wir wollen darum

  • das Bewusstsein für die Berufung aller zur Heiligkeit fördern und sie in der Freundschaft mit Je-sus und in der Hinwendung zu den Schwestern und Brüdern vertiefen;
  • dem Reichtum der Charismen Raum geben und uns in der Feier der Eucharistie immer wieder neu mit der Einheit dieser Vielfalt beschenken lassen;
  • das Zueinander von Klerus und Laien ganz in den Dienst der Kirche an allen Menschen stellen;
  • die unterschiedlichen Berufungen und Aufgaben im Leib Christi nicht als Über- und Unterord-nungen, sondern als vielfältigen Ausdruck der einen Sendung begreifen;
  • an den verschiedenen Leitungsdiensten in der Kirche möglichst viele Frauen und Männer ge-recht beteiligen;
  • unsere Pfarreien begleiten, damit sie sich zu Gemeinschaften von Gemeinschaften entwickeln können, in denen es viele Formen der Beteiligung gibt.

 

Das Dokument 100 der deutschen Bischofskonferenz hat als erste Überschrift „Wir müssen die Kirche nicht retten“. Wie ich finde, ist das ein guter und tröstlicher Gedanke. Denn Gott sorgt für seine Kirche. Das heißt aber sicher nicht, dass man seine „Talente“ zur Sicherheit begraben soll. Wie Jesus darüber denkt, können Sie gerne in Matthäus 25, 14-30 oder Lukas 19, 12-27 nachlesen.
Reinhard Happel